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Es war so ein Sommer, der nicht aufhört. Und

E dass es unser letzter werden würde, hätte

damals keiner geglaubt. Wir konnten es einfach nicht glauben. So wie wir uns auch nicht vorstel- len konnten, dass es je wieder einen Winter ge- ben würde, einen Winter, bitterkalt mit richti- gem Schnee und einer dicken Eisschicht auf dem Wassergraben.

Es war so ein Sommer, der nicht aufhört. Er hatte im Mai angefangen. Die Sonne schien je- den Tag. Die Pfingstrosen setzten Knospen an, die Blütenkerzen der Kastanienbäume explo- dierten über Nacht. Gelb leuchtete das Rapsfeld und hoch über uns zerschnitten die Mauersegler den unendlich tiefen Himmel.

Nur das Wasser hatte noch seine Winterfarbe: schwarz und undurchsichtig, aber wenn wir uns lange genug über das steinerne Brückengeländer beugten, konnten wir doch die kleinen Rot- federfische erkennen, die sich knapp unter dem Wasserspiegel sonnten.

>>Wasseraugen«, sagte ich. »Vom langen Hingu- cken kriegt man Wasseraugen.«<

>>Stimmt«, sagte Daniel.

 

»Und dann kann man durchgucken und den Grund sehen und da steht der Hecht!<<

Lukas war ganz aufgeregt und seine Stimme wurde hoch und laut.

>>Na klar! Und wenn wir den Hecht sehen können, brauchen wir nur noch eine Angel- schnur und Hechthaken.<<

»Spinner«, sagte Daniel. »Senke brauchste auch und Kescher!

»>Warum denn?<<

»Die Senke für den Köderfisch und den Ke- scher zum Rausholen. Der Hecht reißt dir die Schnur durch, wenn du den hochziehen willst.<

>>Und wofür der Köderfisch?«, fragte Lukas. >>Zum Locken«, sagte Daniel und spuckte ins Wasser.

Neugierig schwammen die kleinen Rotfedern näher. Dann spritzten sie plötzlich auseinander und waren verschwunden.

»>Da ist er!«<, rief Lukas.

Und wirklich, eine Zehntelsekunde lang hatte auch ich, dicht unter der Wasseroberfläche, den silbrigen Fischbauch erkannt, bevor der Hecht wieder hinunterschoss in die schwarze, undurch- sichtige Tiefe.

Über uns flatterte krächzend ein Dohlen- schwarm und zwei Blesshühner trieben mit ruckenden Kopfbewegungen unter der Brücke durch. Die Sonne machte den Rücken ganz warm und als das Wasser wieder glatt und ruhig war, sagte Daniel:

>>Den kriegen wir! Wer Wasseraugen hat, der kann auch Hechte fangen!<<